Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Damen und Herren

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle und Bernard Fontana

Holcim hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 auf vergleichbarer Basis einen soliden Leistungsausweis erwirtschaftet. Nettoverkaufsertrag und Betriebsgewinn stiegen auf vergleichbarer Basis an, obwohl sich die Konjunktur vielerorts auch 2014 in schwierigem Fahrwasser befand.

Die Wirtschaft in den einzelnen Konzernregionen entwickelte sich im Verlauf des Jahres uneinheitlich. Das konjunkturelle Klima in Asien, Ozeanien war gekennzeichnet von einem soliden Wachstum in den meisten wichtigen Märkten. In Lateinamerika belastete dagegen ein herausforderndes Konjunkturklima mit erheblichen Unsicherheiten vor allem in Form niedrigerer Rohstoffpreise und schwierigerer Finanzierungsbedingungen das Wachstum. Die Erholung der europäischen Wirtschaft kam im Laufe des Jahres 2014 ins Stocken, da wichtige Märkte die Wachstumserwartungen verfehlten und die politische Verunsicherung zunahm. Die USA verzeichneten dagegen nach einem schwachen ersten Quartal 2014 einen soliden Aufschwung. Äusserst heterogen verlief die wirtschaftliche Entwicklung in der Konzernregion Afrika, Naher Osten.

In diesem weltwirtschaftlichen Umfeld konnte der Konzern die Zementvolumen um 1,0 Prozent auf 140,3 Millionen Tonnen steigern. Insbesondere die Konzerngesellschaften in den USA, auf den Philippinen, in Mexiko sowie Ambuja Cements in Indien und Holcim Indonesien lieferten dabei einen deutlich positiven Beitrag. Der Absatz von Zuschlagstoffen reduzierte sich um 0,9 Prozent auf 153,1 Millionen Tonnen. Ursache waren die im vorherigen Jahr durchgeführten Restrukturierungen in Lateinamerika und das angespannte Marktumfeld in Frankreich, Australien, Belgien und der Schweiz. Unter dem Vorjahresniveau lag auch der Absatz von Transportbeton, der sich um 6,3 Prozent auf 37,0 Millionen Kubikmeter verringerte. Auch hier wirkten sich Restrukturierungen in Lateinamerika im Jahr 2013 sowie eine geringere Nachfrage in Singapur, Belgien und Frankreich aus. Das Asphaltvolumen legte hingegen um 12,4 Prozent auf 10,0 Millionen Tonnen zu.

Auf vergleichbarer Basis fiel der Nettoverkaufsertrag im Vergleich zum Vorjahr um 3,0 Prozent höher aus. Der konsolidierte Nettoverkaufsertrag reduzierte sich um 3,1 Prozent auf CHF 19,11 Milliarden, wobei negative Währungseffekte in Höhe von CHF 1 030 Millionen die Hauptursache darstellten. In vielen Konzernregionen konnten die Preise aufgrund verbesserter Commercial-Excellence-Massnahmen angepasst werden. Der Betriebsgewinn auf vergleichbarer Basis verbesserte sich um 4,2 Prozent auf CHF 2 317 Millionen. Auf vergleichbarer Basis und bereinigt um Merger- und Restrukturierungskosten lag der Betriebsgewinn 10,6 Prozent höher. Holcim gelang es zudem, die um Merger- und Restrukturierungskosten bereinigte Betriebsgewinnmarge auf vergleichbarer Basis zu steigern.

Holcim Leadership Journey wird auch über 2014 hinaus fortgeführt

Die 2012 konzernweit gestartete Holcim Leadership Journey hat sich zu einem grossen Erfolg für Holcim entwickelt, wobei die beiden Kernaspekte – Kostensenkung und Veränderung der Einstellung hin zu mehr Kundenorientierung – in der Organisation erfolgreich verankert wurden. Insgesamt wurde ein Beitrag von CHF 1,848 Milliarden erzielt, der damit deutlich über dem ursprünglich angestrebten Beitrag zum Betriebsgewinn von CHF 1,5 Milliarden liegt. Holcim lancierte mehr als 6 000 Initiativen auf allen Ebenen des Konzerns, welche Einfluss auf den positiven finanziellen Beitrag hatten. Damit ist die Holcim Leadership Journey ein Erfolg auf breiter Basis, wobei alle Kosteninitiativen unser ursprüngliches Ziel übertrafen. Customer Excellence ist nun fest in der Kultur des Konzerns verankert und damit Grundlage für zukünftige Erfolge. Dies dokumentiert Holcim anschaulich anhand von drei beispielhaften Reportagen in diesem Bericht, bei denen der Konzern aufzeigt, welchen Mehrwert er für Kunden in der Schweiz, Mexiko und Vietnam generiert.

Die Holcim Leadership Journey wird auf mehreren Ebenen auch über 2014 hinaus fortgesetzt, da kontinuierliche Leistungsverbesserung Teil der Kultur von Holcim ist. Dies erwies sich insbesondere in Zeiten von Kosteninflation und einem herausfordernden Marktumfeld als vorteilhaft.

Portfoliooptimierung

Mit einer Reihe Anfang 2015 abgeschlossener Transaktionen mit Cemex wurde die Präsenz in Europa insgesamt erheblich gestärkt. Einerseits baute der Konzern die Präsenz im Westen Deutschlands erheblich aus, indem die Geschäfte in Norddeutschland mit denen in Frankreich und Benelux vernetzt wurden. Andererseits wurde in Spanien mit dem Verkauf von Unternehmensteilen und der Restrukturierung des Zuschlagstoffsegments die nötige Flexibilität geschaffen, um auch zukünftig nachhaltig erfolgreich zu sein. Zudem verkaufte Holcim die Aktivitäten in Tschechien.

Zusammenschluss mit Lafarge bietet Vorteile für alle Anspruchsgruppen

Im Zentrum des Interesses bei allen Anspruchsgruppen steht seit April des vergangenen Jahres der geplante Zusammenschluss mit Lafarge. Ein entscheidender Schritt, bei dem wir das Beste der beiden renommierten Konzerne zusammenführen und damit eine einmalige Basis für Wachstum schaffen werden. Das neue Unternehmen mit europäischen Wurzeln wird allen Aktionären überzeugende Vorteile bieten und zur Weiterentwicklung von Lösungen für die globalen Herausforderungen der Urbanisierung beitragen. Dazu zählen erschwingliches Wohnen, Zersiedelung und Verkehr. Das Angebot des Konzerns für seine Kunden würde sich deutlich vergrössern, dank hoher Innovationsfähigkeit, Forschung und Entwicklung der Spitzenklasse und eines konsolidierten Portfolio von Lösungen und Produkten. Beide Firmen sind Pioniere im Bereich Nachhaltigkeit sowie bei der Eindämmung der Folgen des Klimawandels und verpflichten sich, dieses Engagement in Zukunft noch zu verstärken. Die Position als globaler Marktführer im Bereich Zement, Beton und Zuschlagstoffe bietet dem Unternehmen neue Möglichkeiten, die Produktion zu optimieren und kommerzielle Partnerschaften zu vertiefen. So werden wir den konjunkturellen Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt entgegentreten können.

Ausblick 2015

Holcim erwartet, dass sich die leichte Erholung der Weltwirtschaft im Jahr 2015 fortsetzt. Schlüsselmärkte der Bauwirtschaft für Holcim in Ländern wie den USA, Indien, Indonesien, Mexiko, Kolumbien, Grossbritannien und den Philippinen dürften die Haupttreiber des Wachstums werden. Europa sollte insgesamt eine Seitwärtsbewegung verzeichnen. In Lateinamerika dürfte es 2015 zwar weiterhin Unsicherheiten in Ländern wie Argentinien und Brasilien geben, insgesamt allerdings ein leichtes Wachstum. Für die Konzernregion Asien, Ozeanien wird ein geringes Wachstum erwartet, für Afrika, Naher Osten dagegen eine allmähliche Verbesserung.

Vor diesem Hintergrund sollten die Zementvolumen 2015 in allen Konzernregionen mit Ausnahme von Europa steigen. Die Volumen bei Zuschlagstoffen und Transportbeton sollten steigen. Für Holcim als unabhängiges Unternehmen und nicht in Verbindung mit der geplanten Fusion mit Lafarge erwarten Verwaltungsrat und Konzernleitung von Holcim auf vergleichbarer Basis und bereinigt um Mergerkosten einen Betriebsgewinn in Höhe von CHF 2,7 Milliarden bis 2,9 Milliarden in 2015. Höhere Preise und anhaltende Kostensenkungen dürften die Kosteninflation ausgleichen und damit zu einer weiteren Steigerung der operativen Margen führen.

Ausschüttung an die Aktionäre

Vor dem Hintergrund der insgesamt positiven Entwicklung setzt der Konzern die von Kontinuität geprägte Dividendenpolitik fort und schüttet ein Drittel des Konzerngewinns vom Anteil der Aktionäre Holcim Ltd aus. Der Generalversammlung schlagen wir Mitte April vor, eine Dividende von CHF 1.30 auszuschütten.

Dank an Aktionäre, Kunden, Partner und Mitarbeitende

Gerne möchten wir uns an dieser Stelle bei Ihnen, unseren Aktionären, für Ihre Treue und Ihr Vertrauen während der vergangenen zwölf Monate bedanken. Ein besonderer Dank gilt auch unseren Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten – ebenso wie unseren Mitarbeitenden überall auf der Welt. Sie alle haben mit Kompetenz und Engagement geholfen, Holcim zu dem zu machen, was es heute ist: ein weltweit führendes Unternehmen, das nachhaltig wirtschaftet, global gut aufgestellt ist und ausgezeichnete Zukunftsperspektiven bietet.

Zürich, im Februar 2015

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle
Präsident des Verwaltungsrates

Bernard Fontana
Chief Executive Officer